1 Minute Placemaking mit Mimo Hospitality
Das Ziel von Placemaking sind langfristig identitätsstarke, integrative und lebenswerte Orte. Unsere Partner:innen engagieren sich dafür alle auf ihre eigene Art. In unserer Reihe «1 Minute Placemaking mit …» lassen wir sie zu Wort kommen.
Gastronomie und Hotellerie definieren, wie ein Ort erlebt wird. Trotzdem sitzen ihre Vertreter selten am Tisch, wenn Quartiere, Gebäude oder öffentliche Räume geplant werden. Mimo Hospitality bringen die operative Perspektive ein — wie Menschen Räume tatsächlich nutzen, was sie zum Verweilen bringt, was einen Ort belebt. Ihr Hintergrund liegt im Software Development, agiles Arbeiten ist Teil ihrer DNA. Diese Denkweise bringen sie in die Konzeptentwicklung mit: iterativ, datengestützt, anpassungsfähig.
Simon Bernhard, auf welches Projekt seid ihr besonders stolz und warum?
Zwei Projekte, die zeigen, was strategische Gastronomie leisten kann:
Bei ALBA Sourdough Pizza betreiben wir drei Standorte in Zürich – im Kreis 3, Kreis 4 und Kreis 6. Jeder Standort hat ein anderes Umfeld, andere Laufkundschaft und andere Tageszeiten, an denen Umsatz entsteht. Das Konsumverhalten ändert sich laufend: Gäste entscheiden spontaner und erwarten verschiedene Formate je nach Moment – etwa mittags schnell, abends bewusst. Ein Gastronomiebetrieb, der nur ein einziges Modell fährt, wird auf Dauer verwundbar. Deshalb arbeiten wir bei ALBA mit unterschiedlichen Einkommensströmen pro Standort: Abendservice, Lunchformat, Takeaway. Die Marke bleibt dieselbe, das Betriebsmodell passt sich dem Ort und dem Verhalten der Menschen an.
Die Flora Buvette am Rhein in Basel war für uns Placemaking im wörtlichsten Sinn: ein saisonaler Gastrobetrieb direkt am Wasser, eingebettet in einen öffentlichen Raum, den die Stadt beleben wollte. Kein fixes Gebäude, kein klassisches Restaurantmodell. Hier ging es darum, ein Konzept zu entwickeln, das den Ort aktiviert – Wir haben einen Treffpunkt geschaffen, der ohne die Gastronomie so nicht existiert hätte.
Was war bislang eure grösste Herausforderung?
Gastronomie wird gerne als Belebungselement gesehen. Ein Café im Erdgeschoss, ein Restaurant am Platz – und schon hat das Quartier einen Treffpunkt. Das stimmt auch. Gastronomie schafft Interaktion, sie gibt einem Ort Identität und Grund zum Verweilen. Gleichzeitig ist sie aber ein Betrieb, der wirtschaftlich funktionieren muss. Richtige Frequenz, richtiges Angebot, richtiges Betriebsmodell – wer das ignoriert, hat nach zwei Jahren eine leere Fläche und der Ort verliert genau das, was ihn belebt hat. Im schlimmsten Fall wurde die Küche falsch geplant, und dann wird ein Betreiberwechsel richtig teuer.
Unsere grösste Herausforderung ist, diese beiden Perspektiven zusammenzubringen: Entwicklern und Eigentümern klarzumachen, dass die Konzeptfrage vor der Betreiberfrage kommt; und Gastronomen klarzumachen, dass Leidenschaft allein kein Geschäftsmodell ist. Placemaking durch Gastronomie funktioniert nur, wenn beides stimmt: der Beitrag zum Ort und die wirtschaftliche Grundlage.
Was kann die Partnerschaft mit Placemaking Switzerland für euch und für Placemaking in der Schweiz bedeuten?
Gastronomie und Hotellerie definieren, wie ein Ort erlebt wird. Trotzdem sitzen sie selten am Tisch, wenn Quartiere, Gebäude oder öffentliche Räume geplant werden. Die Partnerschaft mit Placemaking Switzerland gibt uns die Möglichkeit, diese Lücke zu schliessen. Wir bringen die operative Perspektive ein – wie Menschen Räume tatsächlich nutzen, was sie zum Verweilen bringt, was einen Ort belebt. Und wir lernen von Disziplinen, die denselben Ort aus Architektur, Stadtplanung oder Design heraus denken. Placemaking wird besser, wenn Hospitality früh mitdenkt.